Vorgeschichte und weitere Entwicklung


Die KiTa "Aland-Zwerge" in Aulosen:
Ein Weg zur Sicherung der Kinderbetreuung in der dünnbesiedelten nördlichen Altmark

Wie alles begann:

Aulosen ist der nördlichste Ort in Sachsen-Anhalt. Bedingt durch diese territoriale Lage (im Norden die Elbe und im Westen die Landesgrenze; geringe Bevölkerungsdichte) ergibt sich automatisch ein relativ kleiner Einzugsbereich mit entsprechend wenigen Kindern.

Bereits Ende des Jahres 2004 war absehbar, dass die Kindertagesstätte in Trägerschaft der damaligen Gemeinde Aulosen nicht mehr lange Bestand haben würde. Die Kosten pro Kind und Monat sollten im Haushaltsplan der Gemeinden Aulosen und Wanzer im Jahre 2005 auf 361,- Euro steigen. Dieses war für beide Gemeinden finanziell nicht mehr tragbar.
Als Konsequenz beschloss der Gemeinderat Aulosen deshalb am 10.03.2005 die Schließung der Einrichtung zum 30.09.2005. Beiden Erzieherinnen wurde zeitgleich gekündigt.

Schon vor diesem Beschluss wurde auf den Gemeinderatssitzungen der beiden Gemeinden die Problematik beraten und gemeinsam nach Lösungen gesucht, um den Kindern und Eltern nicht den ca. 7 km langen Weg in die nächstgelegene Einrichtung nach Groß Garz zuzumuten. Ein Wegfall der KiTa hätte langfristig negative Auswirkungen auf die Bevölkerungsstruktur durch Wegzug von jungen Familien.

Als mögliche Lösung zog der Gemeinderat Aulosen die Suche nach einem anderen Träger (z.B.: Kirche, Lebenshilfe, DRK und Arbeiterwohlfahrt) in Betracht. Auch die Möglichkeit einer Tagespflege wurde geprüft. Jedoch konnte keine dieser Varianten verwirklicht werden.

Zeitgleich keimte die Idee der Gründung eines gemeinnützigen Trägervereins durch die Eltern nach dem Modell einer Einrichtung im benachbarten Niedersachsen. Diese Variante wurde in den folgenden Wochen mit Eltern, Elternkuratorium, Erziehern und Vertretern der Gemeinden ausführlich beraten. Hier zeigte sich eine grundsätzliche Bereitschaft aller Beteiligten.

Eine finanzielle Grobkalkulation ergab ein zu veranschlagendes Defizit von ca. 200,- Euro pro Kind und Monat. Mit einem einfachen Trägerwechsel von der Gemeinde auf den Verein könnte diese Kostenreduzierung jedoch nicht erreicht werden. Der Verein strebte deshalb den Betrieb einer neuen Kindertagesstätte an, wobei die beiden Erzieherinnen vom Verein neu eingestellt werden sollten.

Auf ihren Sitzungen sprachen sich die Gemeinderäte von Aulosen und Wanzer für die Trägerschaft über einen zu gründenden gemeinnützigen Verein aus und sicherten ihre Unterstützung zu. Auf der Gemeinderatssitzung in Aulosen wurde dies z.B am 26.04.2005 einstimmig beschlossen.

Am 02.05.2005 fanden sich in Aulosen 17 Eltern und fördernde Mitglieder zusammen und gründeten den Verein "Aland-Zwerge" i.G.
Dieser Verein will nach den Grundsätzen des Kinderförderungsgesetzes eine Kindertagesstätte in Aulosen betreiben. Damit soll den Kindern eine wohnortnahe Möglichkeit geboten werden, um unter bestmöglichen Bedingungen betreut, gefördert und auf die Grundschule vorbereitet zu werden.

Die Betreuung der Kinder soll im Alter von 0-6 Jahren zwischen 7.00 Uhr und 15.30 Uhr erfolgen, so dass den Eltern die Möglichkeit gegeben wird, einer Berufstätigkeit nachzugehen. Unsere Kindertagesstätte wird seinen Betrieb erstmals am 01.10.2005 aufnehmen.

Der Verein finanziert sich durch elterneigene Beitragszahlungen, Beiträge fördernder Mitglieder, Spenden und durch Feh1betrags-Zuschüsse von den Gemeinden, aus denen die Kinder kommen.

Um die Betriebskosten zu senken, war ursprünglich angedacht, die Betreuung in ungenutzten Räumen des Gemeindebüros durchzuführen. Ein Vor-Ort-Termin mit den entsprechenden Fachämtern des Landkreises Stendal und der Verwaltungsgemeinschaft Seehausen ergab allerdings, dass dies wegen notwendiger Umbaumaßnahmen in den zur Verfügung stehenden wenigen Monaten kaum umsetzbar wäre. Andererseits bestehen in dem jetzigen KiTa-Gebäude beste Voraussetzungen für die Kinderbetreuung.

Auch die Eltern sprachen sich für die Nutzung des jetzigen KiTa-Gebäudes durch den Verein aus. Die Gemeinde Aulosen erklärte sich zur Vermietung an den Verein bereit. Auch das Mobiliar wird dem Verein zur Verfügung gestellt. Eine Prüfung der finanziellen Auswirkung durch die zu zahlende Miete und die höheren Bewirtschaftungskosten ergab eine leichte Erhöhung des Defizits bei dieser Variante auf ca. 215,-Euro pro Kind und Monat. Beide Bürgermeister aus Aulosen und Wanzer erklärten auf der Mitgliederversammlung, dass dieser Betrag von den Gemeinden gezahlt werden kann. Eine entsprechende schriftliche Vereinbarung wurde mit den Gemeinden abgeschlossen.

Auf der ersten Mitgliederversammlung am 21.06.2005 wurden die Rahmenbedingungen für den Betrieb der Einrichtung und für die Beantragung der Betriebserlaubnis beim Landesjugendamt beschlossen.
Dazu zählten der Abschluss eines Mietvertrages für das Gebäude, die Höhe der Elternbeiträge, und die Haushaltsplanung des Vereins für die Jahre 2005 (Oktober-Dezember) und 2006. Weitere Einzelheiten sind im Protokoll und im HH-Plan ersichtlich.

Nach jetzigen Erkenntnissen (Stand: 08/2005) kann der Verein mit 11 Kindern rechnen. Zukünftig sehen wir gute Chancen, dass auch Eltern aus den unmittelbaren Nachbarorten Bömenzien und Deutsch ihre Kinder hier betreuen lassen. Diese Orte gehören zwar zur Gemeinde Groß Garz, die eine eigene Einrichtung betreibt, aber Aulosen ist schon von der Entfernung her eine echte Alternative. Da unser Verein mit einem voraussichtlichen Defizit von 215,-Euro pro Kind und Monat sehr niedrig liegt, könnten die Eltern auch von ihrem Wahlrecht laut Kinderförderungsgesetz (KiFöG) Gebrauch machen.

Laut Personalschlüssel muss der Verein für die 11 zu betreuenden Kinder 34 Erzieher-Wochenstunden vorhalten. Damit werden wir aber in der Realität nicht auskommen und haben deshalb 2 mal 25 Wochenstunden festgelegt. Nur so kann die Einrichtung den Anforderungen gerade bei der Betreuung von Kindern unter 3 Jahren gerecht werden.

Das vorhandene Platzangebot ist für die auch zukünftig zu erwartende Kinderzahl mehr als ausreichend.


Die weitere Entwicklung in Kurzform

Seit der Neueröffnung unserer Kindertagesstätte am 01.10.2005 werden insgesamt schon 14 Kinder betreut. Zwei davon kommen aus dem Nachbarort Kapern in Niedersachsen. Für die Kinder aus Niedersachsen bekommt unser Verein zwar keine kommunalen Zuschüsse, aber wir haben durch diese Kinder auch keine Mehrkosten z.B. durch mehr Personalaufwand.
Anfang des Jahres 2007 sind es bereits 18 Kinder. Die Beiträge der Eltern und Gemeinden konnten um 10,- Euro monatlich gesenkt und gleichzeitig die Erzieherstunden auf 2 mal 28h Wochenstunden erhöht werden.
Der positive Trend setzt sich also auch fast zwei Jahre nach Gründung des Vereines fort. Diese positive Bilanz scheint auch von anderen Gemeinden beobachtet zu werden. So gab es schon einige Anfragen von Bürgermeistern anderer Gemeinden, die mit ähnlichen (meist finanziellen) Problemen zu kämpfen haben, wie damals Aulosen und Wanzer.


Seit November 2007 besuchen insgesamt 21 Kinder unsere Einrichtung, darunter 11 Krippenkinder. Wir beschäftigen jetzt drei Erzieherinnen mit je 35 Wochenstunden und gewährleisten auch eine 10h-Betreuung für Eltern, die aus beruflichen Gründen darauf angewiesen sind.


Im April des Jahres 2008 bekommt unser Verein die Anerkennung als "Träger der freien Jugendhilfe" vom Jugendamt des Landkreises Stendal. Die Kinderzahl steigt in diesem Jahr weiter an bis auf 28 Kinder in den Spitzenmonaten. Unsere drei Erzieherinnen arbeiten jetzt je 39 Wochenstunden. Wegen des hohen Anteils an Krippenkindern stellen wir in der zweiten Jahreshälfte zur Entlastung der Erzieherinnen eine weitere Kraft mit 20 Wochenstunden ein und schaffen somit einen weiteren neuen Arbeitsplatz.


In 2009/2010 besuchen 29 Kinder unsere Einrichtung. Eine neue Betriebserlaubnis wird wegen der stabil hohen Kinderzahl notwendig und beim Landkreis beantragt. Der Sanitärbereich wird entsprechend der Kinderzahl durch die neue Gemeinde Aland komplett neu gebaut. Unser Verein saniert drei Räume in Eigenleistung und der Spielplatz wird neu gestaltet. Wir feiern gemeinsam mit Eltern, Großeltern und fördernden Mitgliedern unser fünfjähriges Bestehen mit einem Sommerfest.


Anfang 2011 haben wir 25 Kinder. Der Peronalbestand bleibt stabil bei drei Volzeitkräften und einer Halbtagskraft im technischen Bereich. Auch die Elternbeiträge können auf gewohnt niedrigem Niveau belassen werden. Mitte des Jahre 2011 steigt die Kinderzahl auf 28. Davon werden zwei Kinder in diesem Jahr eingeschult.